Interview: Jörg Rohde und sein Welpe
INTERVIEW

Jörg Rohde und sein Welpe: Das Übel am anderen Ende der Leine

„Natürlich kann man ohne Hund leben. Es lohnt sich nur nicht.“

(Heinz Rühmann) 

 

Jörg Rohde und sein Welpe

Der Schauspieler und Hundeliebhaber spricht mit uns über die ersten Tage mit seinem neuen Hund, das Thema Tierschutz und seine Entscheidung einem sogenannten „Kampfhund“ ein neues Zuhause zu schenken.

 

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Das Interview mit dem Rohde

Dailywall: Jörg, du besitzt bereits einen Hund, der in deiner Heimat Fritzlar lebt und hast vor einiger Zeit die Entscheidung getroffen, dir einen weiteren Welpen zu holen, der dann bei dir zu Hause leben soll. Deinen Hund „Butch“ kennen wir bereits aus verschiedenen Postings, ihr habt vor kurzem Zehnjähriges gefeiert. Doch auch deinen kleinen Welpen möchten wir gerne genauer vorstellen. Kannst du uns etwas über ihn erzählen?

Jörg: Ich fang mal ein bisschen mit Anlauf an. Die Entscheidung, dass Butch noch ein Geschwisterchen bekommt, liegt jetzt schon fast zwei Jahre zurück. Das ist auch eine Entscheidung, die sehr bewusst getroffen wurde. Es wurde auch alles durchdacht, auch ob wir die Verantwortung übernehmen können. Und meiner Freundin und mir war klar, dass wir unbedingt noch einen Hund wollen. Vor allem mir, weil ich hier in Köln die ganze Woche alleine bin. Und Butch geht es bei meinen Eltern so gut, dem wollten wir dieses Zuhause auf dem Land nicht nehmen.
Mir war von Anfang an klar, dass es auf jeden Fall ein sogenannter Listenhund werden soll, weil ich diese Rassen seit meiner Kindheit kenne. Mein Bruder hatte einen Listenhund, Butch ist zur Hälfte einer. Ich habe sie schätzen und lieben gelernt. Und da sie als schwarze Schafe gelten, war mir klar, dass es so einer werden soll. Davon musste ich meine Freundin anfangs ein bisschen überzeugen; sie war etwas ängstlich. Dann haben wir uns schlussendlich für einen Staffordshire Bullterrier entschieden, weil die Eigenschaften, die er mitbringt – von seiner Größe und von seinem Gesamtpaket – am Besten in unser Leben passen.
Es macht ja keinen Sinn, wenn ich mir einen Bernhardiner hole, weil der bei mir gar nicht gut aufgehoben wäre. Man muss sich vorab ein paar Fragen stellen: Passt er zu mir? Kann dieser Hund bei mir glücklich werden? Kann ich diesem Hund eine Erfüllung bieten? Dann sind wir ziemlich schnell auf den Staffordshire Bullterrier gekommen, weil sie eben als äußerst menschen- und familienfreundliche Hunde gelten. In Ländern wie Großbritannien, Norwegen, Schweden ist diese Rasse quasi der Golden Retriever.   

 

Dailywall: Hast du ihn vom Züchter gekauft oder aus dem Tierschutz gerettet?

Jörg: Vom Züchter.

 

Dailywall:  Warum hast du dich explizit für einen Hund vom Züchter entschieden?

Jörg: Man muss da auf jeden Fall ein bisschen differenzieren. Wir haben erstmal im Tierheim geguckt. Ich unterstütze ja auch einige Tierheime. Wir waren im Tierheim für Listenhunde und hatten auch einen Hund, der eventuell gepasst hätte. Das Problem mit Listenhunden im Tierheim ist einfach folgendes: Sie kommen aus einer schlechten Haltung oder sie haben eine Unverträglichkeit gegenüber anderen Hunden oder Kindern. Wir haben dann irgendwann festgestellt, dass wir für keinen Hund aus dem Tierheim das richtige zu Hause bieten können. Wir haben Kinder zu Hause, wir haben andere Tiere und es ist keinem damit geholfen, wenn wir einen Hund aus dem Tierheim adoptieren und uns selber damit aber nur Probleme machen und die Verantwortung dafür vielleicht am Ende gar nicht tragen können. Damit hat sich das Thema eigentlich auch fast erledigt. Kein Hund im Tierheim hatte den Eindruck gemacht, dass er sich mit Butch oder mit den vielen Kindern bei uns verstehen würde. Welpenwürfe waren auch keine da, außerdem hätten wir niemals wissen können, woher dieser Wurf kam. Gerade bei Listenhunden oder Hunden, mit denen so viel Missbrauch betrieben wird wie mit diesen. Man weiß nicht, ob das Muttertier aggressiv war. Wie wurden die Welpen behandelt, wo sind sie rausgeholt worden, sind sie gesund oder gibt es schlimme Vorerkrankungen? Meine Freundin hat dann gesagt, wenn wir dem Thema Listenhund eine Chance geben, dann bitte von einem guten Züchter, bei dem wir nachvollziehen können, wer die Elterntiere waren und wie der Wurf aufgezogen wurde. Deshalb sind wir auch nicht zu irgendeinem Züchter gegangen. Wir haben nicht irgendeine Annonce im Internet genommen, sondern haben uns für einen VDH-Züchter entschieden. Der VHD ist der am strengsten kontrollierte Züchterverband Deutschlands, mit sehr strengen Zuchtauflagen. Die Würfe werden regelmäßig von einem Zuchtwart kontrolliert.

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Dailywall: Wie du eben erwähnt hast, ist dein neuer Hund ein Staffordshire Bullterrier und gehört damit zu den sogenannten „Kampfhunden“. Musstest du außergewöhnliche Richtlinien erfüllen, um ihn kaufen zu dürfen und haben die Züchter dich besonders begutachtet?

Jörg: Man muss Richtlinien erfüllen, die sich aber von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. In Bayern darf zum Beispiel gar kein Listenhund existieren. In NRW macht man sich strafbar, wenn man einen besitzt. Du darfst dort nur einen haben, wenn er aus dem Tierheim kommt und du gewisse Auflagen erfüllst. Bei uns in Hessen habe ich auch Auflagen zu erfüllen wie beispielsweise einen Wesenstest, Sachkundenachweis und ein polizeiliches Führungszeugnis. Mein Grundstück muss eingezäunt und sicher sein, ich muss mehr Steuern bezahlen und ich muss das Tier der Gemeinde vorstellen. Es gibt ein ganzes DIN A4 Blatt voll Auflagen. Dann gibt es aber auch Länder wie Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, die diese Auflagen nicht haben.

Dailwall: Wir haben eben den Begriff „Kampfhund“ benutzt. Was hältst du von der Aussage, dass beispielsweise ein Staffordshire Bullterrier als „Kampfhund“ oder auch „Listenhund“ bezeichnet wird?

Jörg: Ich finde, dass diese Diskriminierung fehl am Platz ist. Der Leidtragende in der ganzen Sache ist am Ende immer das Tier. Das Tier kann am wenigsten dafür, wenn irgendein Asi Missbrauch an ihm betreibt. Deswegen finde ich das nicht gerechtfertigt. Vor allem, weil die Bisse beziehungsweise die Vorfälle in Niedersachsen und Schleswig-Holstein zeigen, dass sich nichts verschlechtert hat. Und das Übel ist immer am anderen Ende der Leine. In Norwegen und Schweden gibt es das Thema Kampf- und Listenhund gar nicht. Dort ist das ein ganz normaler Familienhund. Die gehen völlig vorurteilsfrei da ran. Das sind die liebsten Hunde der Welt für die.

Dailywall: Woher kommt dein Interesse an Listenhunden?

Jörg:  Das kommt aus meiner frühen Kindheit. Als ich fünf war, kam mein Bruder mit einem Old English Mastiff nach Hause. Der hatte, als er ausgewachsen war, stolze 75 Kilo. Diese Rasse wurde früher auch zum Kampf gegen Löwen eingesetzt, gegen Gladiatoren und so weiter. Und ich hatte im Privaten, Freundes- und Familienkreis immer schon sehr viel mit Listenhunden zu tun. Ich habe nie eine negative Erfahrung gemacht. Die negativen Erfahrungen, die ich als Kind gesammelt habe, war mit unserem Nachbarsdackel und dem Schäferhund von nebenan, die mich bestimmt fünf Mal gezwickt haben. Diesen ganzen medialen Push über diese Hunde konnte ich nie nachvollziehen. Sie werden von der Gesellschaft als schwarze Schafe gebrandmarkt, doch das stimmt mit der Realität nicht überein. Daher war mir klar, dass ich so einen Hund haben möchte. Diese Hunde werden unter anderem auch als „Nanny-Dog“ bezeichnet; das wissen allerdings nur die Wenigsten. Diese Hunde sind in Amerika und England als Babysitter eingesetzt worden. Es sind wirklich sehr kinderliebe Tiere. Das ist im Grunde deren Geschichte.

 

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